Rotkäppchen
wie es ein Mathematiker seinen Kindern erzählt
Es war einmal ein Mädchen. Dem wurde eindeutig eine rote Kappe zugeordnet,
wodurch es als Rotkäppchen definiert wurde.
"Kind", argumentierte die Mutter, "werde kreativ, finde auf
dem durch die Menge aller Waldwege bestimmten planaren Graphen die kürzeste
Verbindung zur Großmutter, analysiere aber nicht die Blumen am Wege,
sondern durchlaufe Deinen Weg mit zeitlich streng monoton wachsender
Bogenlänge!"
Rotkäppchen vereinigte einen konvexen Kuchen und eine nichtleere Flasche
Wein zu einer endlichen Menge, hinterfragte noch mal den Weg kleinster Länge
und begann mit dessen Durchlaufung in der vorgegebenen Richtung.
Im Walde schnitt ihr Weg den Weg eines Wolfes. Er diskutierte mit ihr über
die Relevanz eines Blumenstraußes für die Großmutter und motivierte
sie, einen geordneten, höchstens abzählbaren Strauß in geeigneter Weise
zu verknüpfen.
Inzwischen machte der Wolf die Großmutter zu einer Teilmenge von sich.
Als Rotkäppchen sich dem Ort der Großmutter hinreichend genähert hatte,
sagte sie: "Großmutter, warum hast Du so große Augen?"
"Damit ich Dich visuell besser erfassen kann."
"Großmutter, warum hast Du so große Ohren?"
"Damit die Wahrscheinlichkeit der akustischen Wahrnehmung größer 0,975
ist."
"Großmutter, warum hast Du so einen großen Mund?"
"Damit der Durchmesser meines geöffneten Mundes mindestens dem des größten
Tellers entspricht."
Daraufhin macht sich der Wolf zur konvexen Hülle Rotkäppchens. Ein Jäger
kam, sah eine leere Menge von Großmüttern im Hause und problematisierte
die Frage, bis sie ihm transparent wurde, und er einen einfachen
Lösungsalgorithmus fand. Er nahm sein Messer und machte aus dem Wolf eine
Schnittmenge. Die im Innern des Wolfes integrierten Personen wurden
schleunigst von ihm subtrahiert. Zum Wolf wurde eine Menge von Steinen
großer Mächtigkeit addiert und seine Oberfläche wieder verschlossen. Er
fiel in einen zylindrischen kartesischen Brunnen und mußte dort bleiben,
bis seine Restmenge nur noch aus dem Nullelement bestand.
(Der Name des Autors war mir bis April 2002 leider unbekannt. Laut einer eMail lautet die Quelle: Friedrich Wille, "Humor in der Mathematik", Vandenhoeck & Ruprecht.
Ob der obige Text jedoch wörtlich und korrekt aus dieser Quelle zitiert ist, kann ich leider nicht bestätigen, da mir das Werk von Friedrich Wille nicht vorliegt.)