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Editorial Dezember 2005

Stoppt die Mobilfunkmast!!!

Großalarm in meinem neuen Heimatdorf Waldorf: Statt weihnachtlicher Dekoration werden überall Fenster mit Plakaten gegen Mobilfunkmast in Waldorf zugepappt. In Geschäften liegen Unterschriftenlisten aus, die das Allerschlimmste verhindern sollen: Mobilfunkmast in Waldorf!

Ganz ehrlich: Ich bin auch total dagegen, wirklich! "Stoppt die Mobilfunkmast!!!" Nach Schweinemast, Rindermast und Geflügelmast brauchen wir bestimmt nicht auch noch Mobilfunkmast. Denn die Handys sollen doch kleiner werden und nicht fetter und dicker. Wozu sollte man sie also mästen? Und könnte man sie nicht direkt größer bauen, anstatt Mobilfunk-Mastbetriebe auch in unserem schönen Dorf anzusiedeln? Auf Mobilfunkmast können wir hier wirklich verzichten! ;-)

Nun aber mal Spaß beiseite; das Thema verdient durchaus auch eine ernste Betrachtung. Eine lange Liste mit schädlichen Nebenwirkungen von "Handystrahlung" wird demjenigen präsentiert, der sich auf einschlägigen Internetseiten und Informationsblättern umschaut (siehe z.B. www.buergerwelle-waldorf.de). Von Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen bis hin zu Krebserkrankungen reicht die Liste der angeblichen Gesundheitsrisiken durch 'Handystrahlung'. Klar, dass man sich da Sorgen bezüglich unsichtbarer Gesundheitsrisiken machen kann.

Doch wie viele, die im Bioladen oder in der Bäckerei gegen den neuen Mobilfunkmast unterschrieben haben, nutzen selber ein Handy? Ist ihnen bei der Unterschrift bewusst gewesen, dass ihr eigenes Handy, das sie ja meist in direkter Köpernähe tragen, umso stärker sendet, je weiter die Sendemasten entfernt sind? Ihre eigene Strahlungsbelastung ist also höher, wenn es weniger Mobilfunkmasten gibt. Infos hierzu gibt es z.B. bei www.quarks.de. Und wie viele der Personen, die auf den Unterschriftenlisten aus Angst vor Krebs unterschrieben haben, rauchen, essen acrylamidbelastete Pommes, Kartoffelchips und Lebkuchen, ernähren sich im Sommerhalbjahr von halbverkohltem Grillfleisch, braten ihre Haut ungeschützt in der Sonne, und setzen sich so viel größeren, vermeidbaren Krebsrisiken aus? Wie viele würden auf Fernsehen und Radio verzichten wollen, die bekanntlich mit tausendfach höherer Sendeleistung von Fernsehtürmen senden, die meist direkt in Ballungsräumen stehen?

Es liegt wohl in der menschlichen Natur, eigenes starkes Risikoverhalten zu verharmlosen, aber sehr empfindlich auf kaum nachweisbare Riskiken zu reagieren, die von anderen Quellen stammen. So erklären sich auch Fälle von Personen, die schon durch den Anblick eines Mobilfunkmastes Kopfschmerzen und Schlafstörungen erleiden mussten, obwohl dieser zu dem Zeitpunkt noch gar nicht 'auf Sendung' war.

Eine gewisse Information über die technischen Hintergründe ist also empfehlenswert. Eine UMTS-Station sendet mit maximal 30 Watt. Hätte man Angst vor einer 30-Watt-Glühbirne auf dem Dach der Dorfkirche oder eines Nachbarhauses? Das eigene D-Netz-Handy sendet mit maximal 2 Watt, aber direkt am Körper. Die 16 eingeschalteten Handys bei der Mobilfunkmast-Bürgerbewegungsveranstaltung senden also im Extremfall (nur sehr schwaches Netz verfügbar) schon stärker als die Antenne jemals senden wird. Auf quarks.de heisst es dazu: "Alleine wegen der Entfernung ist das Strahlenbad vom Sendemast vernachlässigbar im Vergleich zu dem eines Handys. Denn die Belastung durch elektromagnetische Strahlung nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab. [...] In rund fünfzig Metern Entfernung zur Antenne - das entspricht ungefähr dem 16fachen des Sicherheitsabstandes - beträgt die Strahlung nur etwa den zweihundertfünfzigsten Teil der Sendeleistung. [...] Um eine vergleichbare Belastung durch die Sendeantenne zu erhalten wie durch ein Handy, müsste man sich der Strahlung des Sendemastes etwa 250 mal länger aussetzen". Tja, dann erhöhe ich mein Krebsrisiko doch lieber mit Grillfleisch und Kartoffelchips. :-)

Bornheim-Waldorf (total verstrahlt...), im Dezember 2005

Euer Roland

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